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| Bauphysik: Schimmelschäden durch Energieeinsparung? |
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Bauliche Sanierungsmaßnahmen zur Energieeinsparung erfordern ein
abgestimmtes Konzept. "Die Energieeinsparung ist Schuld, der Austausch
der Fenster ist für das verstärkte Auftreten von Schimmel verantwortlich."
Die schnellsten Antworten sind nicht immer richtig. Schilderungen über
ungesunde Wohnverhältnisse reichen weit in die Menschheitsgeschichte
zurück.
Feuchte- und Schimmelschäden wurden in zwei Wellen
gehäuft festgestellt:
1. nach dem Einbau von Zentralheizungen Ende der fünfziger Jahre, 2.
in Folge verstärkter Fenstererneuerung Ende der siebziger Jahre.
Diese Maßnahmen hatten nichts mit Energieeinsparung zu tun, sondern mit
Komforterhöhung. Nicht die Energieeinsparung führt zu Schimmelschäden,
sondern die nicht auf die Gebäudeerfordernisse abgestimmten Maßnahmen. Die
Betrachtung des Gebäudes als Gesamtgefüge und die Abstimmung einzelner
Maßnahmen aufeinander ist von grundlegender Bedeutung.
Beispiel:
In einem Einfamilienhaus, Bj. 1920, werden sämtliche Fenster (U-Wert 2,8)
gegen eine Wärmeschutzverglasung (U-Wert 1,20) ausgetauscht. Die
Außenwände sind ca. 31 cm dicke Hochlochziegel (U-Wert 1,72). Es wird
keine Dämmung der Außenwand vorgenommen. Mit der Maßnahme werden die
Lüftungsverluste stark reduziert. Ein durchschnittlicher 4-Personen-
Haushalt produziert pro Tag über 10 Liter Wasser. Die feuchte
Luft kondensiert am kältesten Punkt! Waren es in dem oben genannten
Beispiel früher die Fenster, ist es nun die Wand. Dämmmaßnahmen an
Fenstern haben auch Auswirkungen auf die Wand als Bestandteil des Systems.
Wo Kondensat anfällt, kann sich Schimmel bilden. Häufig hat man in der
Nähe von Außenwänden ein Kältegefühl, das meist für Zug gehalten wird.
Dieser „Zug“ ist nicht auf undichte Fenster und Türen zurückzuführen,
sondern auf die sehr wärmeleitende Außenwand. Eine zusätzliche Dämmung der
Außenwand vermindert das Problem. Aber auch in einem optimal gedämmten
Passivhaus, wo der Dämmwert des Fensters auf die der Außenwand abgestimmt
ist, kann es zu Schimmelschäden kommen. Das Problem ist das
veränderte klimatische Gefüge des Gebäudes. Durch die neuen, sehr dichten
Fenster entfällt die "Fugenlüftung" in der Regel ersatzlos.
Ohne
ausreichende Lüftung kann das Problem jedoch nicht gelöst werden. Ein
ausreichender Luftaustausch muss sichergestellt werden, damit anfallende
Luftfeuchtigkeit abtransportiert werden kann. Regelmäßiges Stosslüften
wird empfohlen. Alle 1 bis 2 Stunden kurz durchlüften: Theoretisch
gut, aber praktisch nicht durchführbar, wer steht schon nachts alle zwei
Stunden auf um Stosszulüften? Die mangels Alternative zumeist angewendete
Kipplüftung führt zu erhöhten Wärmeverlusten und es kommt zu einem
erhöhten Energiebedarf. Der Einspareffekt verpufft. Der Einbau einer
kontrollierten Lüftung ist in den meisten Fällen unbedingt zu empfehlen.
Nicht aufeinander abgestimmte Maßnahmen machen Investitionen zur
Energieeinsparung unsinnig. Sie können in der Folge sogar zu einer
Erhöhung von Heizkosten und zusätzlich zu Bauschäden führen.
Freundlich
zur Verfügung gestellt von: Dipl.-Ing. Florentine Raspé
Architektin und Energieberaterin in Berlin Rhumeweg 26, 14163 Berlin,
Telefon: 030 / 80 90 55 49 Quelle: Das Grundeigentum
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